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„Trittsteine auf dem Weg durch die Trauer“

 

Ökumene: Ehrenamtliche für die Notfallseelsorge eingesegnet

Im Kreis Bergstraße wird Ökumene großgeschrieben: Die Evangelische und die katholische Kirche sowie mehrere Hilfsverbände ziehen seit Jahren gemeinsam am Strang der ehrenamtlichen Notfallseelsorge (NFS). In ihrem Auftrag wurden am 3. Mai in Lampertheim sechzehn Ehrenamtliche neu in ihren Dienst eingesegnet. Fünf weitere wurden für zehn Jahre Mitarbeit geehrt. Lampertheim. Ein überraschtes Raunen geht durch den hohen Raum der Lutherkirche in Lampertheim, als Pfarrerin Barbara Tarnow lächelnd einen ebenso lächelnden Gartenzwerg auf die Kanzel stellt. „Wir sind keine Gartenzwerge“, beginnt sie ihre Predigt. Gleichermaßen gebannt wie belustigt schauen die rund 120 Gäste auf das unerwartete Artefakt. Doch was haben Gartenzwerge mit der Notfallseelsorge im Landkreis Bergstraße zu tun? Um letztere geht es in diesem abendlichen ökumenischen Gottesdienst. Unter den Gästen befinden sich neben Mitgliedern der evangelischen und der katholische Kirche auch Aktive der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) und der Johanniter Unfallhilfe (JUH). Sie alle sind gekommen, um sechzehn Männer und Frauen aus dem gesamten Kreisgebiet bei ihrer Einsegnung zur Mitarbeit und zur Hospitation in der Notfallseelsorge zu begleiten. Was die Gartenzwerge von den Menschen unterscheide, sei der Atem, predigt Pfarrerin Tarnow, die die ehrenamtliche Ausbildung leitet und organisiert. Der biblischen Schöpfungsgeschichte nach habe Gott dem Menschen den Atem und damit das Leben eingehaucht. „Gott hat uns das Leben anvertraut“, sagt sie. „Wir sind nicht ausgeliefert, sondern haben Gottes ganze Liebe.“ Sie spricht von der Mund-zu-Mund-Beatmung bei Atemstillstand und davon, dass der englische Begriff „kiss of life“ als Begriff deutlich stärker ausdrücke, wie die Verbindung von Atem, Liebe und Gott sei. Dann betont sie, dass menschliches Tun Folgen habe, manchmal segensreiche, manchmal schmerzhafte, die es auszuhalten gelte. Schon zu Beginn des Gottesdienstes hatte der Evangelische Dekan Karl Hans Geil (Ried) im Auftrag der Dekanate Bergstraße und Ried die Anwesenden mit den Worten begrüßt: „Ich will euch segnen und ihr sollt ein Segen sein“. Darum gehe es – den von Gott empfangenen Segen an andere weiterzugeben, selbst zum Segen zu werden. Pfarrerin Tarnow macht die Motivation deutlich: „Ihr habt Euch entschieden, für andere Menschen da zu sein und dazu hat euch eure Dankbarkeit motiviert.“ Um diese Motivation umzusetzen, haben die sechzehn Ehrenamtlichen ein halbes Jahr lang manchen Samstag geopfert, haben sich hinterfragen und beschwingen lassen, wie Tarnow erklärt. „Das Netz der Notfallseelsorge im Kreis Bergstraße wird durch euch sichtbar“, bekräftigt sie und bezeichnet sie als „Trittsteine auf dem Weg durch die Trauer“. Mit der Hand auf dem Gartenzwerg empfiehlt sie zum Schluss ihrer Predigt, hin und wieder bewusst auf den Atem zu achten: Denn im Ein- und Ausatmen werde deutlich, dass Gott die Menschen trage und erfülle. Vor der Einsegnung macht der katholische Ordinariatsrat Hans-Jürgen Dörr darauf aufmerksam, dass alle Träger trotz eines je eigenen Selbstverständnisses die gleichen Aufgaben hätten. Seelsorge sei eine Grundaufgabe der Kirche. Hier gelte es, „ganz nah bei den Menschen zu sein, in der Trauer und der Ohnmacht, in der Leere, der Verzweiflung und der Gottesfinsternis.“ Schließlich werden die sechzehn in ihren Dienst eingesegnet. Eine siebzehnte wird für ihren Dienst bestätigt. Direkt danach helfen ihnen ihre so genannten „Patinnen und Paten“ in ihre offiziellen Dienstjacken. Damit sind es nun 69 Frauen und Männer, die offiziell über die verschiedenen Träger ihren Dienst in der ehrenamtlichen Notfallseelsorge versehen. Im Anschluss werden fünf Altgediente für zehn Jahre ehrenamtliche Mitarbeit in der NFS geehrt. Das sind zehn bewegende Jahre, wie Barbara Tarnow verdeutlicht; Jahre, in denen rückblickend keine Situation der anderen gleicht, in der Leid und Not auf ganz unterschiedliche Weise geteilt wurden. Von der Kanzel her lächelt der atemlose Gartenzwerg. Er kann nicht anders. Die Ehrenamtlichen schon.

 Foto und Text: Christian Lechelt, Ev. Dekanat Ried, 06.05.2013

Während des Gottesdienstes wurden für ihre zehnjährige Mitarbeit in der NFS nachfolgende Personen geehrt. Von links: Engelbert Renner (Viernheim), Bärbel Kilian (Lampertheim), Andrea Schwarz (Lorsch), Volker Steiger (Zwingenberg), Konrad Eisenhauer (Heppenheim).

 


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Unterstützung für die Notfallseelsorge - Jetzt 95 Mitglieder im Förderverein

Foto (stehend) Gottlieb Ohl, rechts von ihm Sabina Geiger und Barbara Tarnow bei der Mitgliederversammlung

Die Erfolgsgeschichte geht weiter. Der Förderverein Notfallseelsorge im Kreis Bergstraße konnte im vergangenen Jahr seine Mitgliederzahl auf 95 steigern. Das sind neun mehr als bislang, teilte der Vorsitzende des Fördervereins Gottlieb Ohl bei der Mitgliederversammlung mit. Und 100 Förderer bleiben fest im Visier.

Mitglieder sind Privatpersonen, Vereine, Kirchengemeinden, Städte und Gemeinden sowie der Landkreis Bergstraße. Mit insgesamt fast 6.700 Euro unterstützten sie im vergangenen Jahr die Arbeit der Notfallseelsorge. Für die Aktiven wurden unter anderem Fleece-Jacken angeschafft, Fortbildungen gefördert und die Teilnahme am Bundeskongress der Notfallseelsoerge ermöglicht.

Während die Einnahmen durch die Mitgliedsbeiträge im vergangenen Jahr angestiegen sind, hat es nach Angaben des Fördervereins ein leichtes Minus bei den Spenden gegeben. Offenbar eine vorübergehende Delle. Das Spendenaufkommen habe in diesem Jahr bereits wieder deutlich zugenommen, betonte Gottlieb Ohl. Als besonderen Erfolg bezeichnete er, dass die Notfallseelsorge ab sofort im Katastrophenfall ebenfalls alarmiert und an die Betreuungseinheiten angegliedert werde.

Wie stark die Notfallseelsorge in Krisenfällen in Anspruch genommen wird, verdeutlichte deren Leiterin, Pfarrerin Barbara Tarnow, anhand der Einsatzzahlen. Danach leistete die Notfallseelsorge 2012 insgesamt 115mal erste Hilfe für die Seele. Im Jahr zuvor waren es 99 Einsätze. Dafür stehen derzeit 59 Aktive zur Verfügung. Sie haben jeweils zu zweit an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr Rufbereitschaft. Weitere Verstärkung ist in Sicht, An einem noch laufenden Ausbildungskurs nehmen zurzeit 13 Personen teil, davon neun Frauen und vier Männer. Die Beauftragung für den ehrenamtlichen Dienst in der Notfallseelsorge ist für den 3. Mai geplant.

Erstmals war die Notfallseelsorge auch an dem Präventionsprojekt der Polizei „SchleuderDrama“ beteiligt. In Workshops sollen junge Menschen für Problematik von Drogen- und Alkoholkonsum sensibilisiert und in die Verantwortung genommen werden, berichtete Pfarrerin Tarnow. Dazu wurden vier Projekttage an unterschiedlichen Schulen im Kreis Bergstraße durchgeführt.

An Stelle des ausgeschiedenen 2. Vorsitzenden Hans-Dietrich Stolz wurde Marlies Wank einstimmig zur neuen 2. Vorsitzenden des Fördervereins gewählt. Von dem ebenfalls ausgeschiedenen Rechner Heinz-Peter Schneider übernimmt Sabina Geiger bis September 2013 kommissarisch die Aufgabe.

 

Kontakt:
Förderverein Notfallseelsorge
Haus der Kirche
Ludwigstraße 13
64646 Heppenheim
E-Mail: notfallseelsorge@haus-der-kirche.de
Tel.: 06252 / 6733-52

Foto: Christian Böhm
Text: bet, Haus der Kirche Heppenheim, 11.03.2013

  

 


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